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Die Vulgata-Bibel gibt es jetzt auch auf Deutsch

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Die Vulgata des Kirchenvaters Hieronymus ist die meistverbreitete lateinische Übersetzung der Bibel. Bis zur frühen Neuzeit war sie für die katholische Kirche maßgeblich. Nun liegt sie erstmals komplett auf Deutsch vor.

Die Vulgata-Bibel von Malmesburg (Archivbild)

Sieben Jahre haben rund 45 Übersetzer an der ersten vollständigen deutschsprachigen Ausgabe der Vulgata-Bibel gearbeitet. Am Ende steht ein fünfbändiges Werk mit rund 6300 Seiten. Jetzt wurde es in Berlin vorgestellt. Der Direktor der Katholischen Akademie in Berlin, Joachim Hake, bezeichnete das Werk bei der Präsentation als “kulturelles und theologisches Ereignis ersten Ranges”. Von der Spätantike bis zum Mittelalter sei die Vulgata in Westeuropa die wichtigste Quelle des ursprünglichen Bibeltextes gewesen und habe wie kein anderes Buch die Geistesgeschichte geprägt.

Die Vulgata wurde in den Jahren 380 bis 400 n. Chr. größtenteils vom Kirchenvater Sophronius Eusebius Hieronymus (347-420) erarbeitet. Der dalmatische Theologe übersetzte aus dem Hebräischen in ein Latein, das er der gesprochenen Sprache im damaligen Mittelmeerraum annäherte. Die katholische Kirche nutzte die Vulgata bis in die Frühe Neuzeit als maßgebliche Version der Bibel. In der neuen Übersetzung wird der Wortlaut des Hieronymus so genau wie möglich auf Deutsch wiedergegeben.

Der Kirchenvater Hieronymus auf einem Gemälde aus der Werkstatt von Pieter Coecke van Aelst d. Ä.

“Werkzeug für moderne Exegese”

Herausgeber der deutschen Übersetzung sind der Alttestamentler Michael Fieger von der Theologischen Hochschule Chur, der Berliner Philologe Widu-Wolfgang Ehlers und der Zürcher Übersetzer Andreas Beriger. Die lateinisch-deutsche Ausgabe ist nach den Worten Fiegers als “Werkzeug für die moderne Exegese” gedacht und soll Impulse für weitere interdisziplinäre Zusammenarbeit geben. Angeregt worden sei das Projekt durch die 2009 erschienene deutschsprachige Ausgabe der altgriechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, der sogenannten Septuaginta.

Nach Fiegers Worten spiegeln sich in der Vulgata “Zeitgeschichte, kulturelle Fragestellungen und auch die Theologie der Antike”. Mitherausgeber Ehlers betonte, angestrebt worden sei eine “lesbare und allgemeinverständliche deutsche Prosa”, die so nah wie möglich am lateinischen Text bleibe und auf “Verschönerungen” ebenso verzichte wie auf den Einfluss von “Luther-Deutsch”.

Die berühmte Gutenberg-Bibel, hier aus dem Bestand der Greifswalder Universität

Immer weniger Latein-Kompetenz

Der Wissenschaftler betonte, immer weniger Wissenschaftler beherrschten gut genug Latein, um Originaltexte lesen zu können. Daher sei ein deutschsprachiger Zugang zu antiken Texten ein wichtiger Schlüssel zu deren Verstehen. Der Theologe betonte, Hieronymus habe seinen Text in einem mehrsprachigen Umfeld verfasst und damit die Texte der Bibel “für ein lateinischsprachiges Publikum zugänglich machen” wollen.

Fieger und der Herausgeber der Septuaginta-Übersetzung, Martin Karrer, äußerten die Hoffnung, dass auch weitere antike Bibelübersetzungen, etwa in syrischer Sprache, entsprechend ins Deutsche übersetzt würden. Damit könne Lesern, die die alten Sprachen nicht beherrschten, eine Vorstellung von der breiten Überlieferungsgeschichte der Bibel vermittelt werden. Die alten Übersetzungen enthielten etwa Schriften, die nicht in den späteren Kanon aufgenommen worden seien. Zudem wichen sie im Wortlaut oft von den heute gängigen Bibelübersetzungen ab.

kle/jj (kna, www.projekt-vulgata.ch, katholisch.de, orf.at)

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