Wissen und Technik

FDP kritisiert Praxisjahr für Hertie School

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Haben Studierende der Berliner Hertie School of Governance einen exklusiven Zugang zu einem praktischen Jahr in Bundesministerien – und damit zu Stellen?

Ministerien haben Praxispartnerschaften mit der Hertie-School.

Erhalten Studierende der privaten Berliner Hertie School of Governance einen exklusiven Zugang zu einem praktischen Jahr in Bundesministerien – und damit zu Stellen? Das legt eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag nahe. Der FDP-Abgeordnete Otto Fricke und andere wollten von der Bundesregierung wissen, ob mit der Hertie School im Rahmen einer „practical partnership“ zusammengearbeitet werde. In der Antwort des Bundesinnenministeriums heißt es, dass drei Ministerien – Verteidigung, Gesundheit sowie Arbeit und Soziales – mit der Hertie School „in Form einer Praxispartnerschaft für die sogenannten ,Professional Years’ zusammenarbeiten“. Das Bundesumweltministerium habe eine solche Partnerschaft im Herbst 2018 beendet.

Eine Bevorzugung der Hertie School will die Bundesregierung darin nicht sehen. Es geht um eine „zweckmäßige Maßnahme“ etwa für die „spätere Personalgewinnung“, durch die der Bund aber „keine Verpflichtungen eingeht“. Die Ausschreibung zum „Professional Year“ sei öffentlich. „Die Hertie School of Governance wird insofern nicht bevorzugt“, heißt es. Eine Exklusivität bestehe auch deshalb nicht, weil „vergleichbare Formen der Zusammenarbeit (…) allen Hochschulen offenstehen“ und „keine Voraussetzung für Bewerbungen darstellen, die Studierenden aller Hochschulen offenstehen“.

Das “Professional Year” ist eine Spezialität der Hertie School

Mit dieser Antwort versuche die Bundesregierung die Exklusivität des „Practical Year“ zu „kaschieren“, kritisiert der Abgeordnete Otto Fricke. Der Verdacht, „dass man sich in einige Bundesministerien über ein Studium an einer Privatuniversität einkaufen könnte“, werde nicht ausgeräumt.

In einer Stellenausschreibung für 2019 aus dem Bundesumweltministerium – das dem Bund zufolge seine Partnerschaft mit der Hertie School 2018 beendet hat – wurden Masterstudierende der Public Policy und International Affairs für ein „Professional Year“ gesucht. Diese Studienrichtungen existieren tatsächlich an einigen, auch staatlichen Unis, etwa in Duisburg-Essen, Erfurt und Münster. Das „Professional Year“ aber, in dem Studierende ihr Masterprogramm für eine befristete Anstellung unterbrechen, ist offenbar eine Spezialität der Hertie School.

Der Bund bestreitet exklusive Ausschreibung

Die FDP fragte auch, ob Hertie-Absolventen nach dem „Practical Year“ und ihrem Studienabschluss Arbeitsverträge in Ministerien erhielten. Dies bejaht der Bund für das Verteidigungsministerium, wo seit 2016 von 19 Personen für ein Jahr arbeiteten und mit dreien später Arbeitsverträge geschlossen worden seien. Bei Umwelt und Gesundheit seien fünf Personen im „Practical Year“ gewesen und ebenfalls drei eingestellt worden. Im Gesundheitsministerium seien von ein oder zwei Personen im Praktischen Jahr ein Vertrag geschlossen worden. Darüber hinaus lägen keine Angaben vor. In der Antwort auf ähnlich lautende Anfrage der AfD-Fraktion kommt das Verteidigungsministerium auf sechs von 19 ehemaligen Hertie-Studierende im Praktischem Jahr beziehungsweise vier im Praktikum, die „erneut im BMVg“ beschäftigt worden seien.

Regine Kreitz, Sprecherin der Hertie School, bestätigt auf Anfrage Praxispartnerschaften. Es handele sich um „lose, nicht formalisierte Vereinbarungen, die keine gegenseitigen Verpflichtungen beinhalten“. Exklusive Vereinbarungen gebe es nicht.

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