Wirtschaft

Gold fängt wieder an zu glänzen

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FRANKFURT – Wenn die wirtschaftlichen Aussichten alles andere als golden sind wie derzeit, dann steht Sicherheit bei Anlegern hoch im Kurs. Vor allem hierzulande, wo Zukunftsangst die noch gute Situation auf dem Arbeitsmarkt überdeckt. Und damit kommt unweigerlich Gold ins Spiel, das jetzt ein 21-Monatshoch erklommen hat und wieder mehr glänzt. Gründe sind viele geopolitische Risiken, ein womöglich ungeregelter Brexit, Handelskonflikte und die Unberechenbarkeit der USA durch Trump. Das ist ein Cocktail, der nach Krise schmeckt.

Konkret kostete die Unze Gold (rund 31 Gramm) am Freitag 1160 Euro. Für 10 000 Euro gibt es also 270 Gramm Sicherheit. Barren von zehn Gramm bis zu einem Kilo und Münzen wie der Krügerrand oder Maple Leaf sind bei Bundesbürgern seit jeher besonders gefragt. Zu Wochenbeginn lag die Goldnotiz zwar etwas schwächer, was aber dem Vernehmen nach keine Trendwende darstellt. Edelmetall-Experten der Banken erwarten vielmehr weitere zehn Prozent Preisanstieg. „Das ist locker möglich“, so Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Goldhandel GmbH in Frankfurt. Auch 15 Prozent seien denkbar, 30 aber nicht. Dazu seien die Wolken noch nicht bedrohlich genug wie seinerzeit zur Eurokrise, als „extrem“ gekauft wurde. Und: Bei steigenden Tarifen und ohne echte Not hielten sich die Deutschen außerdem zurück. Denn seit September ging es ja schon um 15 Prozent nach oben. Wrzesniok-Roßbach: „Es wird nicht um jeden Preis gekauft.“ Oder anders. Nämlich mit einem Gold-Sparplan nach Aktien-Vorbild. Bei Degussa werden im Schnitt auf solche Sparpläne 225 Euro im Monat eingezahlt. Und auch die Nachfrage im Onlineshop zum Wochenende sei lebhaft gewesen. Zudem kauften Zentralbanken verstärkt Gold, während auf der anderen Seite viel alter Schmuck und Dentalgold angeboten wird. Die Senioren räumen derzeit zuhause auf, heißt es dazu.

Fachleute begründen die neue Goldstärke neben den politischen Gründen mit dem Dollarkurs. Denn der Greenback hat sich zuletzt tendenziell gegenüber anderen Währungen und dem Euro abgeschwächt. Dies macht Gold, das in Dollar gehandelt wird, für viele günstiger, was die Nachfrage belebt. Profitieren kann Gold auch von abnehmenden Zinserwartungen an die amerikanische Notenbank Fed, weil der Daumen für die Weltkonjunktur nach unten zeigt, was große Zinsschritte ausschließt. In Europa sind die Zinsen ohnehin weiter am Boden.

SICHER VERWAHREN

Wenn man im Besitz von Gold ist, sollte das Edelmetall nicht unter der Matratze oder im Kühlschrank – dort schauen Einbrecher angeblich am ehesten nach – gelagert werden. Stattdessen sind die Hausbank oder der heimische Tresor die einzig sinnvollen Aufbewahrungsorte. Eine Hausratversicherung schützt den Goldschatz übrigens nur dann komplett, wenn dieser sicher untergebracht ist. Und wenn der Goldbesitz unter der Erstattungsgrenze für Wertsachen liegt. Das sind meist 20 Prozent der Versicherungssumme.

Gold ist weltweit anerkannt

Doch taugt die Angstwährung Gold wirklich für jeden? Es ist kein Investment im eigentlichen Sinne, sondern eine Art Versicherung für Krisenfälle, wie Fachleute immer wieder betonen. Da Gold weltweit anerkannt wird, ist es gleichwohl gut geeignet. Zumal es das einzige Edelmetall ist, bei dessen Kauf keine Mehrwertsteuer anfällt (Vorsicht bei Sammlermünzen). Die Fachleute des Online-Verbraucherportals Finanztip raten, nicht mehr als ein Zehntel des Vermögens in Gold anzulegen. Und dann in Münzen oder Barren, wobei Letztere etwas günstiger sind.

Gekauft werden sollte danach über seriöse Vergleichsportale im Internet und dort bei Händlern, die Mitglied im Berufsverband des deutschen Münzfachhandels sind. Finanztip empfiehlt hier besonders gold.de und gold-preisvergleich.de. Beim Verkauf sollte man darauf achten, dass die Lieferung versichert ist. Und: Wer binnen eines Jahres verkauft, muss auf den erzielten Gewinn Einkommensteuer zahlen.

DAX: Schlusskurse im Späthandel am 11.02.2019 um 20:31 Uhr

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