Wissen und Technik

Fridays for Future macht Druck an Berliner Unis

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Nach der HU macht die Fridays for Future-Bewegung auch an der TU Berlin mobil. Der TU-Präsident stimmt mit Vielem überein – und macht der Politik Vorschläge.

Fridays for Future-Demo in Berlin.

„Bitte mobilisiert, damit wir die Erde retten!“ Mit diesen Worten übergibt die Berliner Schülerin Franzi, die jeden Freitag für das Klima streikt, die Bühne an die Fridays for Future-Gruppe der Technischen Universität Berlin. Diese hatte im Vorfeld über 2000 Unterschriften gesammelt, um eine studentische Vollversammlung zum Thema Klimaschutz einzuberufen. Durch die Veranstaltung am Dienstagabend sollte der Protest der Schülerinnen und Schüler an die Uni getragen werden.

Denn da komme sie ursprünglich her, sagt ein Vertreter der Hochschulgruppe. An den Universitäten sei das Wissen um den Klimawandel entstanden, daher sollten sie beim Thema Klimaschutz „ voranschreiten und nicht zurückschrecken“. Zur Vollversammlung waren alle Studierenden der TU geladen. Mehrere hundert von ihnen füllten das Audimax. Über drei Stunden diskutierten sie die im Vorfeld ausgearbeiteten Forderungen, die sie anschließend an die Unileitung und den Berliner Senat herantragen wollen.

Konkret fordern sie von der TU, sich mit den Fridays for Future-Zielen zu solidarisieren. Die Uni als „progressives Zentrum“, wie es an dem Abend mehrfach hieß, müsse schnellstmöglich klimaneutral werden und sich gesamt-ökologisch ausrichten. Studierende und Mitarbeiter sollten nachteilsfrei an den Freitagsstreiks für den Klimaschutz teilnehmen dürfen. Dem Präsidium der TU setzen sie eine Frist von zwei Wochen, um mit den Studierenden in Verhandlungen zu treten. Eine der sechs Forderungen richtet sich an den Berliner Senat. Die Politik müsse die Erkenntnisse des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ umsetzen. Das heißt: Berlin soll auf klimaneutrale Mobilität setzen und darauf hinwirken, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das Land solle das im Bundesrat vorantreiben.

Die TU-Studierenden sind nicht die ersten, die von ihrer Unileitung und der Politik Klima-Maßnahmen verlangen. Erst am Dienstag hatte sich der Akademische Senat der Humboldt-Universität mit der Fridays for Future-Initivative der HU solidarisiert. Auch dort ging dem eine studentische Vollversammlung voraus, auf der über 700 Studierende konkrete Forderungen für eine aktive Klimapolitik an aufgestellt hatten.

“Das Thema reißt die ganze Uni mit”

TU-Präsident Christian Thomsen sagte am Mittwoch auf Anfrage, dass er sich bereits im Austausch mit den Studierenden befinde. „Viele der Forderungen sind mit dem kompatibel, was wir ohnehin als unsere Aufgaben sehen. Das Thema reißt die ganze Uni mit.“

Als Beispiel nannte er die Forderung nach einem klimaneutralen Campus. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts habe die TU bereits vor, etwa ein Viertel des Campus bis zum Jahr 2025 klimaneutral zu gestalten. Thomsen will auch der Berliner Politik Vorschläge unterbreiten, wie Maßnahmen zum Klimaschutz an den Unis konkret umgesetzt werden können – „das könnte für die ganze Stadt Wirkung haben“. Die Vorschläge sollen auch über das hinausgehen, wozu sich die Hochschulen in den Hochschulverträgen verpflichtet haben. Dort heißt es etwa, die Hochschulen sollten Dächer für erneuerbare Energien nutzen und allgemein Klimaschutzziele formulieren.

Der TU-Präsident war selber schon auf Friday for Future-Demos

Kürzlich hatte sich Thomsen in einem Beitrag im Tagesspiegel in die Rezo-Debatte eingeschaltet und die „behäbige“ Haltung der Politik in Sachen Klimakrise kritisiert. Er empfinde die Gespräche mit den Studierenden als „extrem konstruktiv“, sagte Thomsen jetzt, der selber bereits auf zwei Fridays for Future-Demos war. Die Wünsche der Studierenden, mehr Inhalte zu Klimaneutralität in der Lehre zu verankern, werde er mit den Studiendekanen prüfen. Schon jetzt biete die TU ein „Nachhaltigkeitszertifikat“ an, das Studierende parallel zu ihrem Studium erwerben könnten.

Und wie steht es mit der Forderung der Studierenden, „nachteilsfrei“ am Klimastreik teilnehmen zu können? Generell lernfrei zu geben – soweit will Thomsen dann doch nicht gehen. Er setze hier auf einen „konstruktiven Umgang“ von Lehrenden und Studierenden.

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