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Verbraucherschützer wollen „Ampel“ für Lebensmittel

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Gesundes Essen soll vor dem Kauf leichter von ungesundem zu unterscheiden sein. Der Ruf nach einheitlichen und leicht verständlichen Kennzeichnungen auf Verpackungen wird lauter.

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MAINZ – Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel. Den Verbrauchern müsse es leicht gemacht werden, die gesündere Alternative zu erkennen, fordert der Vorsitzende Klaus Müller. Eine einheitliche, verständliche und farbliche Kennzeichnung auf Basis von 100 Gramm oder 100 Millilitern auf der Produktvorderseite ist das Ziel. Vorbild ist das Nutri-Score-Modell in Frankreich. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) will das Thema bei der anstehenden Verbraucherschutzmittelkonferenz auf die Tagesordnung bringen.

Jedes siebte Kind und jeder zweite Erwachsene wiegt nach Darstellung von Experten zu viel, ein Drittel der Gesundheitskosten entfalle auf das Übergewicht und seine Begleiterscheinungen. Eine Nährwert-Ampel soll Abhilfe schaffen. EU-weit ist bereits die Angabe von Brennwert, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz auf der Rückseite vorgefertigter Produkte verpflichtend. Doch den Ampel-Befürwortern ist das zu kompliziert und springt zu wenig ins Auge. Eine Nährwertkennzeichnung, wie sie in Frankreich auf freiwilliger Basis besteht, kann laut EU-Recht derzeit nicht verpflichtend eingeführt werden. Deshalb will die rheinland-pfälzische Landesregierung die Bundesregierung drängen, diesbezüglich Druck zu machen.

In Frankreich gab es vor der Einführung eine Testphase. Das Nutri-Score-Modell habe sich, wie Botschaftsrat Arnaud Brizay sagt, als das beste erwiesen. Insbesondere den „benachteiligten Teil der französischen Bevölkerung“, der erfahrungsgemäß häufiger zu ungesunden Lebensmitteln greift, habe man erreichen können. Erkenntnisse, welche gesamtgesellschaftlichen gesundheitlichen Auswirkungen die Einführung hat, gebe es noch nicht. Das Max-Rubner-Institut (MRI), das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, hatte elf Modelle zur Nährwertkennzeichnung analysiert. Welches das beste ist, hänge laut MRI-Wissenschaftler Dr. Benedikt Merz davon ab, welchen Rahmen die Politik setzt.

So könnten lediglich Referenzmengen, aber auch Wertungen vorgeschrieben werden – oder, wie bei Nutri-Score, eine Gesamtbeurteilung. Hier gibt es fünf Stufen, vom grün markierten A über das gelbe C bis zum tiefroten E. Jedem Lebensmittel wird, auf Basis der Nährwertangaben, ein Buchstabe zugewiesen. Wer beispielsweise gezielt auf wenig Salz achtet, kann allein auf Basis der Nutri-Score-Ampel keine Entscheidung treffen. Das ist allerdings in der MRI-Auswertung auch das einzige festgestellte Manko, kein anderes Modell schneidet besser ab. Unternehmen wie Iglo, das freiwillig ein dem Nutri-Score verwandtes System nutzt, gehen voran. Geschäftsführerin Anja Schubert berichtet, dass es nach der Einführung der Kennzeichnung auch Optimierungen an Rezepturen gegeben hat.

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