Wirtschaft

Regionale Molkereien zwischen Marke, Bioprodukten und Weltmarkt

0

Deutschlands drittgrößte Molkerei Hochwald setzt mit „Bärenmarke“ jetzt auf Markenmilch – und steht damit in direktem Wettbewerb mit Schwälbchen.

Jetzt teilen:

THALFANG – Über 100 Jahre ist der drollige Bär nun schon alt, der mit Milchkannen beladen gemütlich über die Weide bummelt. 1912 war die Geburtsstunde der Bärenmarke, die nicht zuletzt zum Synonym für Kondensmilch wurde. „Nichts geht über Bärenmarke …“ lautete der bekannte Werbeslogan für deutsche Molkereiprodukte.

Einst bekanntes Erkennungszeichen der Allgäuer Alpenmolkerei, hat die Hochwald-Molkerei mit Sitz in Thalfang (Rheinland-Pfalz) bereits 2004 die Markenrechte an dem – mittlerweile aufgepeppten – Sympathieträger „Bär“ gekauft. Die Milch mit der Bärenmarke stammt heute längst nicht mehr von Kühen auf Allgäuer Weiden, sondern aus Hessen.

Rund 1000 hessische Milchbauern beliefern die beiden Hochwald-Molkereien in Hungen (Landkreis Gießen) und Hünfeld (Landkreis Fulda). Mit der Bärenmarke geht der Molkerei-Riese Hochwald in direkte Konkurrenz zur wohl bekanntesten hessischen Markenmilch, die bei Schwälbchen in Bad Schwalbach abgefüllt wird.

RÜCKLÄUFIG

Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass die Preise für Molkereiprodukte im deutschen Lebensmittel-Handel weiter sinken: Im Februar 2019 lagen sie um 4,9 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Wie die Milch in den grünen Tüten mit der Schwalbe im Logo stößt Hochwald mit der Bärenmarke nun ins Segment der Markenmilch vor. Bislang waren die Hochwald-Produkte eher weniger bekannt, weil sie unter Handelsmarken für Discounter und Lebensmittel-Märkte abgefüllt wurden. Die billige „Milfina-Frischmilch“ von Aldi und Milch der Rewe-Eigenmarke „ja“ wird ebenso in Hungen abgefüllt, wie die Bärenmarke. Der Beweis ist der auf allen drei Milchtüten aufgedruckte Code ‚DE HE 007 EG‘: Er steht für die Hochwald-Molkerei in Hungen.

Um Umsätze zu steigern, kommt bei Deutschlands drittgrößter Molkerei Hochwald also ein und dieselbe Milch – sowohl als Markenmilch, wie auch als Discounter-Milch zu Tiefstpreisen – in die Tüte. Nach Unternehmensangaben haben die Hochwald-Milchbauern im vergangenen Jahr 34,11 Cent netto pro Kilogramm Milch erhalten.

Bio-Molkerei steigert Umsatz um sieben Prozent

Das ist deutlich weniger, als die 115 Milchbauern erhalten, die ihre Milch an Hessens einzige Bio-Molkerei in Willingen liefern. „Wir zahlen an unsere Vertragspartner 47 Cent netto pro Kilogramm Bio-Milch aus“, teilt dazu Karin Artzt-Steinbrink, Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei im nordhessischen Willingen mit.

„Mit 40 Millionen Kilogramm angelieferter Milch haben wir über fünf Prozent mehr verarbeitet als 2017. Wir konnten unseren Jahresumsatz von 28 Millionen Euro (2017) um über sieben Prozent auf 30 Millionen Euro (2018) verbessern.“ Auch der Schwälbchen-Umsatz liegt weiter unter dem Jahresumsatz des Molkerei-Riesen aus Rheinland-Pfalz.

„Von unseren 300 Vertragsbauern haben rund 95 Prozent ihren Hof in Hessen“, teilt Schwälbchen-Chef Günter Berz-List mit. „Wir haben im vergangenen Jahr 137 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet – das sind 4,5 Prozent mehr als 2017. Auch der Umsatz hat sich in 2018 um 4,5 Prozent auf rund 188 Millionen Euro erhöht.“ Alle neun Hochwald-Molkereien in Deutschland, Belgien und den Niederlanden werden von 3000 Milchbauern beliefert. „Unser Unternehmen verarbeitet jährlich rund 2,3 Milliarden Kilogramm Milch“, teilt dazu Pressesprecherin Kathrin Lorenz auf Anfrage mit. „Für 2018 erwarten wir wie im Vorjahr einen Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.“

„Die deutschen Handelsketten haben im Jahr 2018 mit Trinkmilch und anderen Milchprodukten ein deutliches Umsatzplus von fünf Prozent gemacht – und das bei sinkendem Mengenabsatz“, sagt Lucia Heigl, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Zugleich zahlten die Molkereien 2018 an ihre Lieferanten mit einem Durchschnittspreis von 34,37 Cent je Kilogramm im Schnitt fünf Prozent weniger pro Liter Milch als im Vorjahr. „Am Milchmarkt läuft etwas mächtig schief, und zwar auf Kosten der Milchbauern“, moniert Heigl.

Eine gegenläufige Tendenz ist bei den Biomolkereien und den Öko-Landwirten zu beobachten. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft lieferten alle Ökobauern in Deutschland im vergangenen Jahr 19 Prozent mehr Milch an die Molkereien an und verdienten dabei auch deutlich besser. Sie erhielten durchweg mehr als 45 Cent pro Liter (Kilogramm) Bio-Milch.

„Etikettenschwindel“ bei Strom aus erneuerbaren Energien?

Previous article

Kommentar zu Kunstfleisch: Alternative

Next article

You may also like

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

More in Wirtschaft